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Rezension: »Aura des Wertvollen« von Mario Pricken

Category : Marketing, Rezensionen

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Mario Pricken ist seit seinem Buch »Kribbeln im Kopf« in der Branche mehr als bekannt. In seinem neuen Buch beschreibt er weniger, wie in den bisherigen Veröffentlichungen, über Kreativitätstechniken, sondern setzt sich mit Unternehmens- und Markenwerte und ihrer Entstehung auseinander.

In »Die Aura des Wertvollen« zeigt er 80 verschiedene Parameter auf, die Dinge in unserem Leben zum Luxus werden lassen und enthüllt was Marken wie Gucci, Chanel, Porsche oder Rolex zu Luxus-Marken macht. Zu Beginn zeigt er zunächst auf, dass der Wert einem Objekt von aussen gegeben wird, sozusagen aufprojeziert wird und nicht per se im Objekt steckt sowie welche Faktoren die Vorstellung eines bestimmten Wertes beeinflussen. Damit ist der Wert eines Objektes, sei es eine Uhr, ein Kunstwerk oder eine Delikatesse von den Wertevorstellungen eines jeden einzelnen ab. Nehmen wir das Beispiel Kaviar oder Austern, für die eine sind es wertvolle Leckerbissen, für jemand dem das nicht schmeckt oder etwa auch für einen Vegetarier ist es wertlos. Der Wert ist kein objektive Größe, sondern eine subjektive Projektion der eigenen Vorstellungen. An Hand des Wertekatalogs zeigt Pricken auf, was Menschen, unterschiedlich intensiv mit einem Wert verbinden. Das sind zum Beispiel Entstehungsmythen und -geschichten von Unternehmen und Marken, aufwendiger Materialgewinnung, Handarbeit, Einzigartigkeit, Originalität, Regelbrüche, natürliche Beschränktheit, Sammelobjekte, Exotik, Tradition, Auszeichnungen etc.

Nach dem das jeweilige Parameter an Hand von Beispielen erläutert wurde, gibt der Autor mit Fragen und/oder Gegenüberstellungen Hinweise das eigene Unternehmen, Produkt oder Dienstleistung konkret auf seinen Wert zu überprüfen.

Daraus leitet er den so genannten 4D-Innovationsprozess ab, um Produkte aufzuwerten. Am Ende kann man an Hand exemplarischer Wertebiographien z.B. von luxuriösen Hotelzimmern oder Kunstwerken nachvollziehen, welche der Parameter jeweils wirken. Und der Fragenkatalog ermöglicht es sein eigenes Produkt zu hinterfragen bzw. seinen Wert zu »messen«

Sehr spannend und zum Nachdenken anregend, ebenso hilfreich für Corporate Identity und Markenbildungsprozesse, denn da geht es um mehr als um »nur« Design.

Verlag
PUBLICIS
ISBN 9783895784385
Preis 39,90 Euro

 

 

Rezension: Fritz Kahn

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Vor einigen Jahren traf ich auf einer Designkonferenz Thilo von Debschitz, der mit seiner Schwester Uta, diese Hommage an einen der bedeutensten Illustrator und wissenschaftlichen Autor herausgebrachte und er berichtete mir von dem Projekt.
Jetzt halte ich das Buch in Händen und bin begeistert und froh, dass sich die beiden so um das Werk Kahns bemüht haben. Fritz Kahn zählt sicherlich nicht zu den namentlich bekanntesten Designern in der Weimarer Republik. Neben dem Österreicher Otto Neurath war er maßgeblich daran beteiligt wissenschaftliche Erkenntnisse (hauptsächlich aus dem Bereich Medizin) in Form der Illustration einem Massenpublikum nahe zu bringen und verständlich zu vermitteln. Das Aussergewöhnliche ist die Kombination von Grafik/Fotografie, wissenschaftlichen Fakten und nicht selten mit einem humorvollen Augenzwinkern.

Kahn war kein studierter Grafiker oder bildender Künstler, sondern in erster Linie Naturwissenschaftler, Gynäkologe und Autor wissenschaftliche Abhandlungen. Aber sein Ziel war es eine Grafiksprache zu finden, die Wissenschaft verständlich macht anstatt sie immer weiter von den Menschen zu entfernen und zu entfremden.

Wie viele andere jüdische Menschen wird Kahn nach der Machtübernahme der Nazis aus Deutschland ausgewiesen Ab 1936 wurden Kahns Bücher von den Nazis verboten, verbrannt und geächtet. Sein bisheriger Verlag, die Franckh’sche Verlagsanstalt, verwendet seine Bilder – in Absprache mit den nazistischen Stellen – ohne Nennung seines Namens weiter. Erst nach 1945 kann er diese dreiste Urheberrechtsverletzung einklagen und wird entschädigt.

Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Designgeschichte, Inspirationsquelle für Illustratoren und Grafiker, aber darüber hinaus eine Bündelung wichtiger historischer Dokumente, die Zeitgeschichte einfängt.

Erschienen ist die dreisprachige Ausgabe (DE, ENG, FR) im Taschen Verlag als großformatige Hardcover Ausgabe zum Preis von 39,90 Euro dazu noch sehr erschwinglich.
Weitere Informationen und Beispiele seiner Infografiken findet man auf der Website.

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Der Mensch als Industriepalast, das bekannteste Werk von Fritz Kahn

 

Rezension: Auf den Spuren des Münchner Schildermalers Karl Blaschke

Category : Rezensionen, Typografie
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Oliver Linke hat mit diesem kleinen Büchlein, dem Schildermaler Karl Blaschke und dem eigentlich ausgestorbenen Beruf des Schildermalers ein kleines Denkmal gesetzt.
Entstanden auf Grund einer zufälligen Entdeckung beim Typo-Spaziergang durch München, hat sich Linke, unterstützt durch andere Mitstreiter an die Arbeit gemacht und alle noch übrig gebliebenen Beschilderung des Unternehmens Blaschke und dessen Nachfolgeunternehmen fotografiert und katalogisiert. Und das inklusive der Adresse, wo man sie noch finden, so fern sie nicht wie viele andere bereits den modernen Klebefolien zum Opfer gefallen sind. Ein Muss für jeden Liebhaber handgeschriebener Schriften.

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Von Asam bis Zrenner.  Auf den Spuren des Münchner Schildermalers Karl Blaschke
August Dreesbach Verlag
ISBN: 978-3-944334-08
Preis: 19,80 Euro

Rezension: Typotopografie – Frankfurt

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Der August Dreesbach Verlag widmet sich meiner Wahlheimat und dem typografischen Leben hier  in der sechsten Ausgabe von Typotopografie. Den Namen »Frankfurt« trägt das Heft groß auf dem Titel. Aber wo Frankfurt drauf steht ist auch viel aus Offenbach, Darmstadt und Mainz zu finden. Ein Titel wie »Rhein-Main« wäre sicherlich passender gewesen. Denn trotz dieser – zum Glück – nicht auf die Stadt Frankfurt beschränkten Ausgabe, wird man einseitig mit dem Logo der Eintracht Frankfurt im Vorwort empfangen und aus dem Heft mit dem ebenso unpassenden Zitat von Friedrich Stoltze »Un es will merr net in mein Kopp enei: wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!« heraus geleitet. Das zeugt von zu geringem Fingerspitzengefühl, welches man sich hier gewünscht hätte.

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Doch nun zum Eigentlichen, dem Inhalt. Neben fotografisch-typografischen Stadtspaziergängen findet man lesenswerte Artikel über das Klingspor Museum in Offenbach, Hermann Zapf, das Gutenberg Museum in Mainz, über Typografie-Geschichte am Beispiel der Bauerschen Gießerei und einzelne Akteure aus den Bereichen Design, Typografie und Verlagswesen werden vorgestellt.

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In der Rubrik A–Z wird auch unser Typostammtisch in Offenbach kurz vorgestellt. Seit Sommer 2005 treffen sich hier in der Regel am 1. Dienstag im Monat Typografie und Designbegeisterte zum Small-Talk, Vorstellung von typografischen Arbeiten, Fachliteratur etc. Im Grunde wurde der Stammtisch schon immer von Einzelpersonen organisiert, erst recht seit dem es das Büro Typosition nicht mehr gibt. Die angesprochene Facebook-Seite findet man hier: Typostammtisch Offenbach bei Facebook

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Insgesamt wie die anderen bisher fünf Ausgaben auch für Schrift- und Design-Interessierte aus der Region wie darüber hinaus lesenswert, aber eben doch mit dieser seltsamen Schlagseite. Gerade bei solch lokal/regionalen Ansätzen sollten die Autoren ein wenig mehr sich mit den Gepflogenheiten der Region beschäftigen und diese berücksichtigen. So ist die Kritik weniger eine fachliche Kritik, sondern eher eine konzeptionell-redaktionelle.

Typotopografie – Frankfurt
August Dreesbach Verlag
ISBN: 978-3-944334-16-5
Preis: 14,80 Euro

Rezension: Neue Schriften / New Typefaces

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Das Buch wurde herausgegeben vom Gutenberg-Museum Mainz und bezieht sich auf die Ausstellung »Call Type« im Museum. In »Neue Schriften / New Typefaces« sind 19 spannende Interviews mit Schriftdesigner/innen enthalten.

Im zweiten Teil werden neuere Schriften vorgestellt. Dabei sind nicht-lateinische Schriften, Displayfonts, Grotesk- und Serifenschriften auf je einer Seite präsentiert und geben einen gelungenen Querschnitt aktuellen Schriftschaffens.

Die Interviews beleuchten Arbeitsweisen und Konzepte einzelner Schriftdesigner, die für bestimmte Ausrichtungen stehen. Mal steht die Lesbarkeit mehr im Vordergrund mal mehr die grafische Aussage. Die Leser lernen vermutlich bisher eher weniger bekannte Schriften kennen, sowie die Menschen, die sie schufen und welche Überlegungen dabei eine Rolle spielten.

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Bei der gestalterischen Umsetzung gibt es jedoch einige Dinge, die nicht gelungen sind. Die Beschreibungen der Schriften sind für die Textlänge in einem viel zu kleinen Schriftgrad gesetzt und im hinteren Teil des Buches sogar auch noch negativ, weiß auf Schwarz, so dass schnell ein Flimmern entsteht. Auch bei der Präsentation der Schriften fehlen mir vor allem eben bei Schriften, die für Fließtext geeignet sind, ein Beispieltext, um die Eignung für den Einsatz bei größeren Textmengen einzuschätzen. So schön diverse Schmuckbuchstaben und ausgefallene Ligaturen sind, so wenig sagen sie etwas über die Qualität der Schrift im Fließtext.

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Optische Aha-Effekte werden erneut über Lesbarkeit gestellt. Alle englisch sprachigen Leser/innen werden dazu mit einer noch kleineren Schriftgröße »bestraft«. Entweder ist so ein Buch gleichgewichtig oder ich mache nur eine deutschsprachige Ausgabe, so aber sind die englisch sprachigen Texte typografisch als zweite Klasse degradiert.

Der Content ist empfehlenswert, die Umsetzung hätte etwas mehr überdacht sein können. Das Buch schafft ein Stück weit für den Anwender von Schriften – Mediengestalter, Grafikdesigner etc. – Verständnis für die Arbeit des Schriftentwerfers.

Petra Eisele, Isabel Naegele, Annette Ludwig (Hrsg.)
Neue Schriften. New Typefaces. Positionen und Perspektiven
248 Seiten, 17 x 22,5 cm, Schweizer Broschur, Deutsch/Englisch, Euro (D) 29,80
ISBN 978-3-7212-0892-4

»Mr Typo & der Schatz der Gestaltung« von Alessio Leonardi

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Ein Fachbuch, aber nein, das ist doch ein Comic.

»Mr. Typo und der Schatz der Gestaltung«, ist der zweite große Comic von Alessio Leonardi. Zuvor waren es eher Kurzgeschichten, wie zum Beispiel »Mr. Typo and the Lost Letters«, die für den Schriftenvertrieb und -hersteller Linotype entstanden. Wie immer verbindet Alessio Leonardi typografischen Witz mit typografischem Wissen. So kann der Leser auf knapp 100 Seiten lesen und schauen wie Mr. Typo und sein Hund Tilde, die Welt der Typografie und Gestaltung entdecken, erläutern und neugierig darauf machen. So lernt man die Welt der Bilder und der Farben, den Raum und natürlich ganz viel Typografie kennen. Und spätestens nach der Lektüre wird keiner mehr sagen, dass Typografie nicht auch Spaß machen kann.

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Das Buch ist gespickt mit vielen humorvollen Querschlägern wie diesen.

Was sonst vielleicht dem ein oder anderen in Ausbildung und Studium als trockenes Thema vorkommt, wird hier auf humorvolle Weise in eine Geschichte gepackt, bei der die Information keineswegs auf der Strecke bleibt.
Gleich ob es um die Anatomie von Schrift geht, um die Interpunktion, Gestaltungsraster oder nicht-lateinische Schrift, Alessio Leonardi gelingt es auf kleinstem Raum sehr einprägsam Inhalte zu vermitteln.

Und so steht am Ende fest: ein Fachbuch UND ein Comic. Für Menschen, die Schrift lieben und für Menschen, die mehr über Schrift und Gestaltung erfahren möchten.

Erschienen ist das Buch im Mainzer Verlag Hermann Schmidt und kostet 19,90 Euro